Es gibt Zeiten im Leben da lacht man,
und es gibt Zeiten im Leben da weint man,
wenn man aber erkennt
dann lebt man!
Bestimmt haben sich schon einige von euch gewundert, warum ich solange nichts mehr von mir hören hab lassen und ich möchte vorwegnehmen dass sich niemand Sorgen um mich machen muss, denn ich “LEBE” und mir geht es gut, so gut wie schon lange nicht mehr…
…Ich sitze hier an meinem Schreibtisch, in meinem Zimmer, in meiner Wohnung, in meiner Straße, in meiner Stadt, in meiner Heimat - ca. 2000 km von Carricola entfernt. Ja ich bin wieder zuhause.
Doch “wie kam es dazu?” werden sich jetzt vielleicht einige denken. Das ist eine gute Frage und ich werde sie mit Hingabe beantworten. Also:
Nachdem ich die Alhambra und damit auch Granada hinter mir gelassen hatte war es der vierte Tag meiner Reise, ich meine die Reise mit mir “allein”, mit meinen Gedanken, meiner Stimme, meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele. Ich hatte in den letzten drei Nächten schon nicht sonderlich gut geschlafen, wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass ich noch nie in meinem Leben soviel Zeit mit mir selbst verbracht hatte und meine Gedanken sich sehr oft an Themen festkrallten, die ich nicht so recht einzuordnen wusste. Ich hörte in der Nacht jedes Geräusch und versuchte es zu interpretieren. Ich fühlte mich nicht immer sicher… ein Gefühl dass mir in dieser Form gänzlich unbekannt war.
Die Sicherheit war für mich bis dato immer ein “sicherer Begleiter” gewesen und nun war sie es nicht mehr. Die Reise ins Unbekannte, jeden Tag neu aufzubrechen ohne die Landessprache wirklich zu beherrschen, mit einem 14jährigen Bus über 7000 km zu fahren war für mich in der Realität (in meinen Gedanken hatte ich mich vorher schon oft mit diesem Thema auseinandergesetzt) eine große Hürde. Ich machte mir viel zu viele Gedanken über schlechte Dinge, bzw. eigentlich Sorgen, und verspürte den immer stärker werdenden Drang nach meiner sonst so allgegenwärtigen Kontrolle über die Situation, wie ich sie sonst immer habe.
Nichtsdestotrotz faszinierte mich die Kommunikation mit mir selbst über alle Maßen. Hatte ich doch geglaubt für mich gäbe es keinen “spirituellen Hintergrund” für diese Reise. “Ich muss mich doch nicht selbst finden oder so. Ich bin ja glücklich mit dem was ich habe und was ich bin!” tönte es noch aus meinem Mund bevor ich aufbrach. Aber was sich durch diese Reise alles in meinem Denken, Handeln und Fühlen bzw. Bewusstwerden getan hat ist im Nachhinein gesehen überwältigend für mich.
Nach diesen prägenden 4 Tagen, in denen ich meine Gedanken kaum noch von der ebenfalls aufschäumenden Sehnsucht nach meiner Familie, meinen Freunden und meinem Theater lösen konnte wurde mir bewusst, was ich zu tun hatte. (Hier möchte ich meinen Eintrag in mein handschriftliches Reisetagebuch zitieren):
“Es ist der 13.01.2007, ein Samstag, 23,5°C, 16 Uhr und ich habe soeben nach 4392,8km beschlossen nach Carricola zurückzufahren und wahrscheinlich auch wieder ganz nach Hause! Bin gerade mal 4 Tage allein unterwegs und musste ziemlich schnell feststellen, dass ich die neugewonnene Freiheit solo nicht so recht geniessen kann. Musste über 4000km weit fahren um unter Tränen festzustellen, dass ich mein Paradies schon gefunden habe. Ohne meine Familie, meine Freunde, mein Theater und alles bin ich nichts! ich bin der zufriedenste Mensch, dank dieser Erkenntnis, jetzt hör ich auf zu heulen und fahr los! Für mich, und das weiss ich jetzt sicher, ist das schönste Wetter, sind die genialsten Plätze und Erfahrungen nichts wert, wenn niemand da ist, mit dem ich sie teilen könnte.”
Manchmal muss man fortgehen
um heimkehren zu können.
Mit dieser Erkenntnis brach ich also auf und fuhr zurück nach Carricola, wo es mich aber auch nicht mehr lange hielt. Ich muss gestehen, dass ich mich gegen Ende sehr in meinen Wunsch heimzukommen hineinsteigerte. Ich erlaubte mir selbst keine Verzögerungen mehr. Ich war getrieben von dem Wunsch endlich meine Lieben in die Arme schließen zu können. Mir ist jetzt auch klar, dass ich vielleicht “nur” eine Woche gebraucht hätte, um mich an das Alleinsein zu gewöhnen und nach dieser Zeit vielleicht ein neuer Mensch gewesen wäre, aber um ehrlich zu sein hatte ich nicht sehr viel Lust mich erst einmal zu quälen um dann glücklicher zu sein. Ich habe umgedreht, werfe mir dies aber überhaupt nicht vor.
Ich bin glücklich über die Stärke in mir, die zugeben kann dass allein-Reisen für mich nichts ist und das ich mich wohler fühle dort wo ich jetzt bin. Wenn man sich unwohl fühlt, dann sollte man die Ursache herausfinden und sie ändern, und nach dieser Regel habe ich besten Gewissens gehandelt und so bin ich absolut zufrieden, auch wenn es kalt ist *g*.
Eine Woche blieb ich noch in Carricola um dann, mich in Schall und Rauch (Fidibus’ Eigenschaften) auflösend, Richtung Heimat aufzubrechen. Mein Weg führte mich aber dennoch nicht auf dem direkten Weg nach Hause, denn ich besuchte noch einen sehr lieben Freund in Basel, den Tommy, Stampie und ich letztes Jahr auf einem Goa-Festival in der Schweiz kennengelernt hatten. Auch die Reise dorthin hielt für mich noch einige Erlebnisse bereit.
Ich fuhr am Dienstag den 23.01.2007 um ca. 17Uhr los, mit viel Freude auf den Weg Richtung Heimat, ein wenig Wehmut über den erneuten Abschied und Spannung auf eine Menge Wiedersehen. Mit diesen Gefühlen brach ich auf, so fuhr ich 15 Std. durch -in der Hoffnung noch an diesem Abend (-utopisch-), spätestens am nächsten Morgen jedoch anzukommen und so fuhr ich und fuhr und fuhr. Auf der Autobahn irgendwo zwischen Montpellier und Lyon überredete mein Verstand meinen ohnehin schon sehr müden Körper (ca. um 8Uhr früh) jetzt besser anzuhalten und sich endlich auszuruhen. (Diese Erkenntnis -muss man sich vor Augen halten- kam zu einem Zeitpunkt, an dem ich schon: Waschen, Essen, Trinken, Fenster auf und laute Musik ausprobiert hatte und einfach wirklich nichts mehr half meine Müdigkeit zu unterdrücken) Hinweis: liebe Kinder: bitte nicht zu hause nachahmen - ist saugefährlich und eigentlich unverantwortlich!!!
So entschloss ich also anzuhalten und eine Runde zu schlafen. Ich träumte von meinem gruseligen Erlebnis in Frankreich… kennt ihr das Gefühl wenn man in ein Blätterteigteilchen beisst, das normalerweise mit Apfel gefüllt sein sollte und feststellen muss, das sich darin eine “geschälte Bockwurst mit Ketchup” befindet. Echt supereklig, vorallem wenn es dunkel ist und man sich erst einmal überlegen muss, nach was es jetzt überhaupt schmeckt. So ist das mit den Sprachbarrieren…!
So schlief ich bis um 1Uhr mittags (5Std.), setzte mich wieder ins Auto und fuhr weiter… und fuhr und fuhr… ich verließ bei Lyon die Autobahn (und dachte so bei mir, dass ich bis um 18Uhr ja wohl in Basel sein würde - denkste!) und fuhr bis dorthin ab diesem Zeitpunkt ausschließlich Nebenstrecken, wobei mir die zunehmend winterlich anmutende Landschaft besonders auffiel. Ganz gegen mein Erwarten gefiel mir der Schnee sogar. Er machte alles so friedlich und still und die Kälte zauberte mir ein herrliches Gefühl auf die Haut (hätte nie gedacht, dass ich mich über Schnee so freuen würde)! In den vielen Stunden (ich erreichte abends um 22.30Uhr Basel) die ich also durch das winterliche Frankreich fuhr wurde mir bewusst, dass mich der Schnee wohl nie wieder würde stören können, solange ich nur die Leute um mich hätte, die mir lieb und teuer sind - denn ich bin wohl auch eine Allgäuerin und dort gehört der Schnee einfach dazu (auch wenn ich diesen Winter nicht hätte vor dem Schnee flüchten müssen)! Nächstes Jahr werde ich die kalte Jahreszeit einfach genießen - jawohl! Ich habe aus diesem Urlaub nicht nur sehr viel spanische Sonne im Herzen mitgebracht, sondern auch ein ganz neues Lebensgefühl - ich lebe bewusster und habe eine so gigantische Motivation, dass ich garnicht so recht weiß wo ich anfangen soll, aber da findet sich schon was.
Ich habe, um ein kleines Resumee zu ziehen, auf meiner Reise viel gelernt. Ich habe viel erlebt und ihr hattet Teil daran. Da es meine erste Reise war, war alles sehr neu für mich - dennoch habe ich nach meinem eigenen Gefühl gehandelt und alles gut gemeistert, und obwohl ich froh bin wieder hier zu sein war das bestimmt nicht meine letzte Reise…
…Angefangen hat alles mit einer Idee und wie man sehen kann ist es garnicht so schwer seine Ideen auch umzusetzen, wenn man nur daran glaubt!
Also nie den Glauben verlieren - STAND BY YOUR VAN!
Eure Nadine